Ein Frühjahrsputz für Ihren Wortschatz
Alles neu macht der Mai. Fenster auf, Luft rein, Ballast raus.
Was für Keller, Kleiderschrank und Küchenschublade gilt, funktioniert auch im Wortschatz erstaunlich gut. Denn auch unsere Sprache sammelt Dinge an. Unbemerkt. Hartnäckig. Und selten hilfreich.
Floskeln, die sich festsetzen.
Buzzwords, die sich wichtigmachen.
Wörter, die Raum einnehmen, ohne etwas zu sagen.
Zeit also für einen Frühjahrsputz im Wortschatz.
Nicht radikal. Aber gründlich.
Die Inventur: Was sagen wir eigentlich den ganzen Tag?
Ein Frühjahrsputz beginnt nicht mit dem Aufräumen, sondern mit dem Hinschauen.
Was ist überhaupt da?
Wer sich einmal selbst zuhört – im Meeting, am Telefon, im Alltag – merkt schnell: Unsere Sprache ist weniger präzise, als wir glauben. Und oft viel automatischer, als uns lieb ist.
Plötzlich ist alles «literally unglaublich», «megaspannend», «superinteressant». Auch dann, wenn es das nicht ist.
Probleme sind «irgendwie schwierig», Situationen «ein bisschen kompliziert», Ergebnisse «nicht ganz optimal».
Bevor überhaupt etwas gesagt wird, wird eingerahmt:
«Ich sag mal so.»
«Ganz ehrlich.»
«Im Grunde genommen.»
«Am Ende des Tages.»
Dazwischen rutschen Wörter wie:
«quasi», «sozusagen», «mehr oder weniger», «ein Stück weit».
Und dann gibt es noch die Sätze, die Aktivität suggerieren, ohne etwas festzulegen:
«Das nehmen wir auf die Agenda.»
«Da müssen wir noch mal drüberschauen.»
«Das ist aktuell in Klärung.»
Sprache wird so zur Gewohnheit.
Und Gewohnheit ist selten präzise.
Raus damit: sprachlicher Ballast
Wer aufgeräumt hat, merkt schnell: Nicht alles muss bleiben.
Manches hat einmal funktioniert – und steht heute nur noch im Weg.
Buzzwords, die nach Arbeit klingen – aber keine machen
«Low hanging fruits», «quick wins», «best practice», «state of the art».
Dazu kommen «Mindset», «Impact» und das allgegenwärtige «Value schaffen».
Das Problem ist nicht, dass man diese Begriffe nicht versteht.
Das Problem ist, dass sie alles gleich klingen lassen.
Füllwörter – die höfliche Form der Unschärfe
«Irgendwie», «halt», «eigentlich», «im Prinzip», «ein bisschen».
Sie wirken vorsichtig.
Aber sie nehmen Aussagen die Klarheit.
Aus
«Das ist eigentlich ganz gut»
wird
«Das ist gut.»
Ein kleiner Unterschied.
Mit grosser Wirkung.
Verstärker, die alles gleich laut machen
«Literally», «wirklich», «extrem», «total», «mega».
Wenn alles extrem ist, ist nichts mehr extrem.
Und wenn alles wichtig klingt, wird Wichtiges unhörbar.
Aber gute Sprache entsteht nicht nur durch Streichen
Ein guter Text wird nicht stark, nur weil man alles Überflüssige entfernt.
Denn Klarheit allein macht noch keinen überzeugenden Text.
Was gute Sprache besonders macht, entsteht dort, wo Worte mehr leisten als reine Information:
Nuancen.
Rhythmus.
Tongefühl.
Präzision.
Der richtige Begriff im richtigen Moment.
Die Formulierung, die Vertrauen schafft.
Der Satz, der hängen bleibt.
Die Pointe, die einen Text plötzlich unverwechselbar macht.
Algorithmen erkennen Muster.
Aber sie kennen keine Haltung.
Sie wissen, welches Wort statistisch wahrscheinlich ist.
Nicht, welches Wort in genau diesem Moment das richtige ist.
Gute Sprache entsteht deshalb nicht nur durch Weglassen.
Sondern durch das, was man bewusst hinzufügt.
Was bleiben darf – und wiederkommen sollte
Nicht alles ist «gut».
Manches ist «präzise», «durchdacht», «stimmig», «überzeugend».
Nicht jedes Problem ist ein «Thema».
Manches ist ein Missverständnis. Eine Hürde. Ein Konflikt.
Und vielleicht darf man auch wieder Dinge sagen wie:
«Das ist gelungen.»
Oder sogar:
«Das ist fabelhaft.»
Sprache wird nicht besser durch weniger Worte.
Sondern durch treffendere.
Ein sauberer Satz ist kein Zufall
Gute Sprache entsteht nicht durch Verzicht, sondern durch Aufmerksamkeit.
Wer hinhört, merkt schnell:
Ein klar formulierter Gedanke wirkt anders.
Ruhiger. Verbindlicher. Präziser.
Manchmal reicht ein einziger Schnitt.
Aus
«Das ist irgendwie nicht optimal.»
wird
«Das funktioniert so nicht.»
Weniger Worte. Mehr Wirkung.
Und wenn wir schon beim Aufräumen sind
Auch wir haben aufgeräumt. Und neu eingerichtet.
comtexto zeigt sich in einem neuen Corporate Design und mit einer neuen Website – klarer, präziser, persönlicher.
Ein Auftritt, der zeigt, wofür wir stehen: Schweizer Qualität, sprachliches Handwerk und einen bewussten Umgang mit neuen Technologien.
Ob Dialekt oder KI: Wir arbeiten an Sprache. Und an dem, was sie bewirken soll.
Werfen Sie einen Blick darauf.
Und entdecken Sie Texte, die mehr können als nur «best practice» sein.
Mehr Klarheit. Mehr Haltung. Mehr comtexto.
Zeit für den Selbsttest
Wie aufgeräumt ist Ihr Wortschatz wirklich?
Erkennen Sie sprachlichen Ballast sofort – oder hat sich das eine oder andere «literally» schon festgesetzt?
Fünf Fragen. Kein Duden. Kein Google.
Nur Sie – und Ihr Gespür für klare Sprache.
Und weil gute Orientierung nicht verloren gehen sollte:
Unter allen Teilnehmenden verlosen wir drei Apple AirTags.
Für alles, was man besser bei sich hat. Klarheit zum Beispiel.