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Kennen Sie Emoglyphen?

In der Ausstellung «Emoglyphen» im Israel Museum Jerusalem werden die Piktogramme der Antike denen der Gegenwart gegenübergestellt. Dies liefert teilweise sehr spannende Erkenntnisse. So erklärt die Kuratorin der Ausstellung, Shirly Ben-Dor Evian, dass es normalerweise eine grosse Herausforderung darstelle, zu erklären, wie Hieroglyphen verwendet wurden, um komplexere Zusammenhänge abzubilden. «Dann kam mir der Gedanke, dass einige der Dinge jetzt leichter erklärt werden können, da wir mittlerweile alle mit Bildern schreiben», berichtet Ben-Dor Evian weiter.

Vom Herzsymbol über kleine Affen bis hin zu schäumenden Biergläsern beleben die Piktogramme unserer Zeit die Konversation in den sozialen Medien und über Messagingdienste. Einige Emojis – benannt nach dem japanischen Wort für eine Kombination aus Bild und Schriftzeichen – haben sogar recht eindeutige Hieroglyphenäquivalente. Die Ausstellung in einer kleinen Galerie im Israel Museum Jerusalem empfängt die Besucher mit einer Schauwand, die sich ähnelnde Piktogramme aus beiden Epochen zeigt. So etwa der moderne, lila gekleidete Tänzer-Emoji, der eine ähnliche Pose darstellt wie ein Ägypter im Lendentuch aus dem Jahr 3500 v. Chr. «Es gibt eine Ähnlichkeit in Design und Formensprache, die sehr interessant ist, weil Tausende von Jahren und sehr grosse kulturelle Lücken zwischen diesen beiden Systemen bestehen», erklärt Ben-Dor Evian.

Im ägyptischen System wurde mithilfe von Hieroglyphen ein Objekt oder eine Idee in sogenannten Ideogrammen dargestellt. Emojis hingegen sind in der Bezeichnung einer Idee, eines Gefühls oder eines Objekts selbständig und sollten nicht zu einem Satz zusammengefasst werden. «Wenn Sie ideografisch schreiben, wird das Bild stärker als das Wort», bemerkt die Kuratorin. Sie zitiert das Beispiel des Revolver-Emojis, das 2016 von Apple durch eine fluoreszierende grüne Wasserpistole ersetzt wurde. «Warum wurde dies geändert? Der Grund dafür ist, dass es, sobald Sie beginnen, Bilder als Schriftzeichen zu verwenden, viel brachialer wirkt, als das Wort «Waffe» zu schreiben».

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass ein heutiger Anwender frei entscheidet, wie er Emojis einsetzt. Die alten Ägypter hingegen befolgten strenge Regeln bei der Verwendung von Hieroglyphen und glaubten, sie seien heilig.

Die Ausstellung «Emoglyphs: Picture-Writing from Hieroglyphs to the Emoji» ist bis Ende 2020 geöffnet und zeigt bisher unveröffentlichte Exponate aus eigener Sammlung sowie Leihgaben aus dem Ausland. Darunter eine mit Gold überzogene Halskette aus Leinen und Papyrus aus dem Jahr 100 v. Chr. mit der Inschrift eines Skarabäuskäfers, dem Symbol der Auferstehung, das an das heutige Marienkäfer-Emoji erinnert. So verdeutlicht die Ausstellung sehr präzise, dass für die Entwicklung von Sprache und Kommunikation – auch im Zeitalter der rasanten Digitalisierung – etwas, das uralt ist, auch heute noch für unser Leben relevant ist.